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klar geworden bin – ist es schon vorbei? Er konnte sich an diese kalte, herzlose Frau verkaufen – er hat keinen Sinn für das, was allein glücklich macht. Sei es – ich will alles unterdrücken. Muß ich dem Drängen der Meinigen nachgeben, muß ich mich vermälen – warum nicht mit diesem Marquis? Ist mir doch alles gleichgültig geworden, ist mir es doch, als habe eine tödtende Kälte mein Herz erfaßt. Mag es darum sein. Ich dachte nicht, das Band für das Leben so kaufmännisch abzuschließen. (Ab.)


Verwandlung.
(Saal in einem gewöhnlichen Wirthshause. Hölzerne Tische und Bänke, Bierkrüge. Ein Kellner geht bis zum Schlusse ab und zu und bedient die handelnden Personen.)


Erster Auftritt.
Alsdorff (tritt ein).

Noch immer nicht. Bis sieben Uhr habe ich ihn bestellt und er kömmt nicht. Der Mensch ist doch ein schwaches Geschöpf. Bildete ich mir nicht ein, längst Herr meiner Gemüthsbewegungen zu sein, und jetzt treibt mich die Erwartung unruhig umher. Und um was? Um elendes Geld. Doch nein. Es ist meine letzte, langgenährte Hoffnung, die erfüllt werden soll oder nicht. Warum glaube ich so fest an das Nicht-erfüllt-werden? Je nun, ich bin das so gewohnt.

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Roderich Benedix: Das bemooste Haupt oder Der lange Israël. J. J. Weber, Leipzig 1846, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Roderich_Benedix_-_Das_bemooste_Haupt_(Leipzig_1846).pdf/11&oldid=- (Version vom 18.5.2020)