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Seite:Proehle Maerchen fuer die Jugend.pdf/79

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Moor. Darauf lief Knecht Hans zum reichen Bauern und sprach: „Geschwind, Vetter, kommt mit auf die Weide, eure Kühe sind im Morast versunken und stehen nur die Schwänze noch heraus.“ Da ging der Bauer mit ihm, faßte an einen Kuhschwanz nach dem anderen und wollte die Kühe herausziehen. Aber wie er am ersten Kuhschwanz zog, fiel er schon rücklings auf die Erde und die andern zog er ganz kleinlaut heraus, denn er merkte wohl, daß Hans die Kühe verkauft hatte, wurde aber darum nur desto freundlicher gegen den, weil er wußte, daß er den Hof noch obendrein verlieren würde, wenn er sich erzürnte. So gingen sie denn mit einander nach Hause, da brachte die Bauersfrau ihrem Manne zu essen, dem Knecht Hans aber gaben sie noch immer nichts. Darüber ward der Knecht Hans doch zornig, denn wiewohl es schon Abend war, hatte er noch keinen Bissen genossen und konnte sich doch nicht hungrig zu Bett legen. Deshalb beschimpfte er den Bauern und die Bäurin, der Bauer aber schnitt ihm sogleich die Ohren ab.

Da ging der Knecht Hans mit dem Gelde, das er für die Kühe erhalten hatte, aber ohne seinen Lohn, nach Hause und am andern Morgen kam der zweite Bruder und meldete sich als Knecht bei dem reichen Bauern. Der Geizhals nahm ihn freundlich auf, hielt ihn sehr knapp und als fast das Jahr herum war, wollte er ihn wieder um den Lohn betrügen und sprach: „Nimm Pferde und Wagen und fahre in den Wald, mir Holz zu holen. Die Stelle, wo Du es aufladest, ist weit im Walde drinnen und vor Abend wirst Du nicht zurück sein, darum werde ich Dir das Mittagsessen selbst bringen.“ Als nun der Mittag längst vorüber war und

Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Pröhle: Märchen für die Jugend. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1854, Seite 63. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Proehle_Maerchen_fuer_die_Jugend.pdf/79&oldid=- (Version vom 1.8.2018)