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Seite:Proehle Maerchen fuer die Jugend.pdf/232

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Schwan mit goldenen Flügeln verwandeln könne, nicht ihr Verlobter sei, und einen andern wolle sie nun und nimmermehr freien. Von allen diesen Künsten, die der Kutscher gekonnt hatte, wußte der Minister nichts. Weil aber die Prinzessin sich dem Gelübde des Königs widersetzte und ihr Vater meinte, ihr Verlangen sei ganz unbillig und ihr Vorgeben von ihrem Verlobten mit goldenen Gaben sei erlogen, so sollte sie verwandelt werden und es wurden zu dem Zwecke drei Scheiterhaufen aufgestellt. Da sie vor dem ersten gefragt wurde, ob sie den Minister nicht wolle, sagte sie: Nein; dann wurde sie weiter gefahren und beim zweiten Scheiterhaufen auch gefragt, aber sie antwortete wieder „Nein.“

Zu derselbigen Zeit kam Jesus an der Mistpfütze vorbei und rief: „Mensch mit goldenen Gaben wache auf!“ Und der todte Kutscher stand vor Jesus. Da erzählte ihm Jesus das Unglück seiner Braut und befahl ihm sich als Schwan mit goldenen Federn zu verwandeln und seine Braut zu erlösen. Da flog der Schwan mit goldenen Federn davon und war in kurzer Zeit bei dem dritten Scheiterhaufen. Vor demselben stand schon seine Braut und er verwandelte sich vor aller Augen in einen Hirsch mit goldenem Geweih, in einen Fisch mit goldenen Schuppen und in einen Schwan mit goldenen Federn und dann in einen Kutscher. Er erzählte auch den Betrug des Ministers, da wurde der auf dem dritten Scheiterhaufen verbrannt. Der Jüngling aber heirathete die Prinzessin, erbte später das Königreich und regierte viele Jahre lang nach dem Rechte.

Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Pröhle: Märchen für die Jugend. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1854, Seite 216. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Proehle_Maerchen_fuer_die_Jugend.pdf/232&oldid=- (Version vom 1.8.2018)