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Seite:Proehle Maerchen fuer die Jugend.pdf/21

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Als nun die Blinden in der Stadt durch ihn sehend geworden waren, zog er weiter und suchte den reichen Mann auf, der da krank lag, und von dem die Thiere unter dem Galgen sich unterhalten hatten. In dessen Hause trat ihm gleich die böse Frau des Reichen entgegen, die an seiner Krankheit schuld war, und wollte ihn von dem Krankenbette abwehren, und sprach: Ihrem Manne könne kein Arzt helfen. Er aber sagte: Dann wolle er ihn wenigstens in seiner Krankheit besuchen. Da mußte sie ihn einlassen. So wie aber der reiche Mann ihn nur sah und vernahm, daß er ein Arzt sei, ward er voller Freuden, ob auch schon viele Aerzte vergeblich bei ihm gewesen waren und gelobte ihm mehr als tausend Reichsgülden, wenn er ihm helfen könne. Er suchte die verschimmelte Rinde hinter der Kommode hervor, kochte eine Brodsuppe davon und nachdem der reiche Mann dreimal davon gegessen hatte, war er gesund. Da hielt der getreulich sein Versprechen und gab seinem Helfer mehr als tausend Reichsgülden. Der aber sprach abermals: „Dank ist der Welt Lohn“ und zog hoch erfreut von dannen.

Er richtete jetzt seinen Weg nach dem Königshofe, darauf der Königsbrunnen versiegt war, da hatten auch schon viele Leute versucht, zu machen daß das Wasser wieder hervorquelle, und ob auch Alles vergeblich gewesen war, so war doch der König voll Freude, als sich abermals einer meldete, der den Brunnen wieder quellen machen wollte, und gelobte ihm, wenn ihm das gelänge, so solle er seine Krone haben.

Darauf nahm der jüngste Bruder einen Degen und stieg damit in den Brunnen, und da saß in einer Ecke

Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Pröhle: Märchen für die Jugend. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1854, Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Proehle_Maerchen_fuer_die_Jugend.pdf/21&oldid=- (Version vom 1.8.2018)