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Seite:Proehle Maerchen fuer die Jugend.pdf/188

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In der Schlafkammer der drei Brüder war eine Thür, die führte in ein Nebenzimmer, und in der Thür war ein Fensterchen, davor hing in dem andern Zimmer ein Vorhang, aber so, daß man doch sehen konnte, was im Nebenzimmer geschah. In dem Nebenzimmer schlief in dieser Nacht ein reicher Kaufmann. Um Mitternacht vernahmen die Brüder ein leises Geräusch an der Hauptthüre des Nebenzimmers und durch das Fensterchen fiel ein Lichtstrahl in ihr Schlafgemach. Leise erhoben sich diese von ihrem Lager und sahen, wie die Wirthin mit einer Lampe vor dem Bette des Kaufmanns stand und daneben der Wirth und sein Sohn, die hatten ihm eine Schlinge um den Hals geworfen und der Kaufmann war eben schon erdrosselt. Danach leerten sie die Geldkatze des Todten aus, schleppten ihn aus dem Zimmer und verscharrten ihn im Garten.

Die drei Brüder beriethen untereinander, was sie thun sollten, und da sie nicht vermochten, dem Richter die Frevelthat des Wirthes zu offenbaren, so beschlossen sie, in dem Wirthshause zu bleiben und zu sehen, wie’s kommen würde, denn sie vermeinten, daß ein so großer Frevel nicht ungestraft bleiben werde und daß der Verdacht des Mordes auf sie fallen möchte, wenn sie danach sogleich abreisten.

Es dauerte auch gar nicht lange, da kam Nachjagd nach dem Kaufmann in dem Wirthshause an, worin er verschwunden war, und seine Leiche wurde an einer Stelle im Garten, wo die Erde locker war, aufgegraben. Sogleich trat der Wirth zu dem Richter und sprach: „Ich habe da drei Gäste, die sind mir verdächtig, gewiß haben sie den Kaufmann ermordet, denn sie schlafen neben

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Heinrich Pröhle: Märchen für die Jugend. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1854, Seite 172. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Proehle_Maerchen_fuer_die_Jugend.pdf/188&oldid=- (Version vom 1.8.2018)