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Seite:Proehle Maerchen fuer die Jugend.pdf/144

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der Weinflaschen, die am Eingange der Höhle standen und that einen guten Zug, aber der Bauer hielt ihn zurück, daß er nicht mehr tränke. Der Krämer, der sich einen großen Sack mitgebracht hatte, griff nun nach den Edelgesteinen, der Bauer aber klopfte ihn auf die Finger und sagte, er solle zuerst einmal von dem Kupfer nehmen. Da schrie der Krämer, er hätte viele Schulden, die müsse er bezahlen, und wollte vom Kupfer nichts wissen; allein der Bauer, der wieder den Sack des getödteten Mannes nahm, zwang ihn mit Gewalt, seinem Beispiele zu folgen und bei dem Kupfer anzufangen, dann aber weniger von dem Silber, noch weniger von dem Gold und am wenigsten von den Edelsteinen zu nehmen.

Nach dieser Zeit heirathete der Krämer die Tochter des Bauern und dieser ging noch mehrmals mit ihm an dem bestimmten Tage in den Goldberg, hielt ihn auch jedesmal an, daß er erst von dem Kupfer nehme und in Allem mäßig wäre in der Höhle. Aber der Krämer war so habgierig, daß er einst, als der Tag wieder kam, sogleich früh Morgens allein nach der Steinklippe ging, auf daß er seinen großen Sack einmal mit lauter Edelsteinen füllen und von dem schönen Weine, desgleichen nicht auf Erden war, soviel trinken könnte als er möchte. Als er an den Berg kam, sprach er:

„Sim-sim-seliger Berg,
Thu Dich auseinander!“

Der Berg öffnete sich, der Krämer ging hinein und sprach:

„Sim-sim-seliger Berg,
Thu Dich zusammen!“

Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Pröhle: Märchen für die Jugend. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1854, Seite 128. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Proehle_Maerchen_fuer_die_Jugend.pdf/144&oldid=- (Version vom 1.8.2018)