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auf die nämliche Art dem Tode entrissen, und er ihm mithin das Leben seiner drey Kinder zu danken habe. Nichts besaß freylich der arme Hirte, um den Edeln zu belohnen, der, mit der dankbaren Thräne im Auge der frohen Eltern zufrieden, durch eigene innere Überzeugung hinlänglich belohnt war; indessen säumte doch die Fürstlich Anspachische Regierung nicht, dem Retter die auf solche Fälle ausgesetzte Belohnung zu ertheilen.

Aus der, über diesem Vorfall erfolgten Erzählung des Müllers, (dann das Mädchen selbst war zu betäubt, als daß sie sich hätte erinnern können, wie sie in das Wasser gekommen war) ergibt sich nun, daß über den Schutz dieser Mühle ein Steg läuft, welcher von dem Weiler Reichenbach auf die Chaussee und in das Feld führt, und von welchem Kinder sehr leicht ins Wasser fallen können. Viele Menschen hatten wirklich schon das Unglück in diesen Mühlschutz zu stürzen, sieben eigene Kinder hat der Müller bereits aus solchem mit Lebensgefahr herausgezogen, zwey Betteljungen, welche vor ungefähr 9 Jahren zugleich hineingefallen, und einem alten Mann, der vor 25 Jahren mit einem Schubkarren hineinstürzte, nebst noch einem Kinde, das seine Frau herauszog, hat er eben so, und einigen davon sogar im Winter das Leben gerettet. Gott! wie viele Menschenleben hat dieser Edle schon dem Tode entrissen; sein Name ist Wilhelm Lehr, er ist ein Reichsstadt Dinkelsbühlischer Hintersaß.

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Diverse: Miscellaneen in: Journal von und für Franken, Band 3. Raw, Nürnberg 1791, Seite 504. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Miscellaneen_(Journal_von_und_f%C3%BCr_Franken,_Band_3,_4).pdf/6&oldid=- (Version vom 1.8.2018)