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Weiler Reichenbach, ohnfern dem Städtchen Feuchtwang gelegen, war am 14 May dieses Jahrs Nachmittags mit zwey Dienstjungen ihres Vaters vom Hause weggegangen, um für die jungen Gänse Brennesseln zum Futter zu suchen. Den beyden Jungen fiel es bey dieser Gelegenheit ein, die im Weiler befindliche Sägmühle zu besehen, sie überließen aus Unachtsamkeit das Mädchen sich selbst und begafften das Werk, welches so eben im Gang war. Das Mädchen verschwand, und erst, als beyde wieder herabgingen, sah sie der eine von ihnen im Wasser schwimmen, worein sie nach der Meinung der beyden Knaben, im Herablaufen über die da gelegenen, vom Regen naß und glatt gewordenen Bäume, so eben gefallen seyn mußte. Er rief um Hülfe, und jetzt sprang der in der Stube befindliche Müller, nebst seinem Sohn, herbey. Letzterer stürzte sogleich in den Schutz, um das unglückliche Kind zu retten: allein zu späte, denn die Gewalt des Wassers hatte sie schon durch das im Gang begriffene Schneidmühlrad getrieben; als der entschlossene Müller um die Schneidmühle herumgesprungen kam, sich unter den Rädern ins Wasser warf, das, gleich einem Pfeil ihm zugeschleuderte Mädchen, das gerade durch die Radrinne heranfuhr, mit beyden Armen auffing, heraushub und in seine Stube trug, wo es von seiner Frau und Tochter mit Stärkungen erquickt, erwärmt, mit trockenen Kleidern versehen, und so seinen inzwischen herbeygerufenen Eltern wieder übergeben wurde.

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Diverse: Miscellaneen in: Journal von und für Franken, Band 3. Raw, Nürnberg 1791, Seite 502. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Miscellaneen_(Journal_von_und_f%C3%BCr_Franken,_Band_3,_4).pdf/4&oldid=- (Version vom 1.8.2018)