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ein Zeugnis für die Genauigkeit des deutschen Geschützfeuers. Vor dem äußeren Nordtore stehen noch einige französische Geschütze mit zerstörten Ziel- und Verschlußvorrichtungen. Die meisten sind schon weggeführt. Die zerrissenen Drahtverhaue bilden kein Hindernis mehr für die Infanterie. In den Gräben aber gilt es Vorsicht zu üben. Noch sind nicht alle Minen gefunden und unschädlich gemacht. Auf Wall und Graben liegt hie und da eine Granate mit dem Zünder. Aber die vielen gewaltigen Trichter im Umfang von mehreren Metern und die ringsherum im Kreise zerstreuten zahlreichen großen und kleinen Granatsplitter beweisen, daß die Blindgänger nicht häufig waren. Die Schanzen der westlichen und östlichen Flanken der Festung weisen, im Gegensatz zur Nordfront, nur wenige Breschen von Fehlschüssen auf. Die in Eisenbeton errichteten Geschützstände auf den Wällen sind vernichtet. Hier hat manch braver Kanonier sein Leben gelassen. Die Brustwehren sind abgestuft.

Nun in die Kasematten! Ein Modergeruch wie von Blut und Leichen dringt aus den dunkeln Hohlräumen. Die Lichtgänge, die den unterirdischen Lagerräumen der Besatzung eine spärliche Beleuchtung gaben, sind mit herabgestürzter Erde und Gerümpel aller Art angefüllt, so daß man nur mit Mühe einen Weg findet. Alle möglichen Ausrüstungs- und Bekleidungsgegenstände liegen herum. Ein kleiner Raum ist als Infirmerie bezeichnet. Nach Formular bedruckte

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 92. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/96&oldid=- (Version vom 1.8.2018)