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und -Statuen noch ziemlich unbeschädigt. Aber die Glasgemälde des Chores sind zersplittert, das Gewölbe zeigt große Breschen von eingeschlagenen Granaten, der Fußboden ist mit Trümmern des heruntergestürzten Gewölbes bedeckt, und durch die Decke leuchtet der blaue Himmel. — Am Rathaus, dem , ist die Hauptfassade mit schönen Reliefs in der Giebelfläche und den drei mit Säulen geschmückten Eingangspforten noch erhalten; aber durch die hohen Fenster schaut das Grauen. Im Erdgeschoß sind in einem Raume noch Regale und Büchergestelle sichtbar. Vermutlich sind die Archive noch rechtzeitig ausgeräumt worden. Im Erdgeschoß eines Privathauses, des einzigen, das nicht in Grund und Boden geschossen ist, sind noch einige Bücher, Stühle und andere Möbel stehen geblieben, darunter auch ein beschädigtes Klavier, dessen Saiten meinem Anschlag mit einigen wimmernden Klagetönen antworten.

In dem greulichen Wirrsal sind schon die Zeichen des deutschen Ordnungssinns sichtbar. Der Wanderer wird zurechtgeleitet durch Wegweiser mit Inschriften, wie: Nach Bastion 3 — Nach der Hauptstraße. An Stelle der zusammengeschossenen Zugbrücken sind hölzerne Notbrücken errichtet; hölzerne Treppen führen von den zerfetzten Wällen in die Gräben hinunter.

Ich betrete nun beim Nordtor das Vorgelände, das auffallend wenig Flurschaden zeigt,

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 91. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/95&oldid=- (Version vom 1.8.2018)