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Das war einmal. Mit alledem hat die deutsche Beschießung eine Abrechnung gehalten, die wohl Longwy als Festung für immer aus der Geschichte streichen wird. Von der Oberstadt und Zitadelle sind heute nur noch Ruinen und einige Wälle, Tore und Bastionen übrig, in denen ein starkes deutsches Landsturm-Wachtkommando haust.

Die Deutschen verzichteten bei ihrem Angriff auf eine Einschließung der Festung. Außer der gesamten leichten Feldartillerie eines Armeekorps kamen zwei schwere Feldbatterien, je eine 21 Zentimeter-Mörser- und eine 15 Zentimeter-Haubitz-Batterie, jedoch weder ein 42 Zentimeter-Brummer, noch eine österreichische 30,5 Zentimeter-Haubitzbatterie zur Verwendung. Halbkreisförmig wurden die Batterien gegen die Nordfront der Festung, die sturmreif gemacht werden sollte, aufgestellt, die leichten in einer Entfernung von fünf bis fünfeinhalb Kilometern, die schweren auf sieben bis neun Kilometer Entfernung. Die Infanterie biwakierte vor den Artilleriestellungen, gedeckt in den bis auf zwei Kilometer bis an die Nordfront heranreichenden Wäldern. Nach einer sechzigstündigen Beschießung waren die äußeren und inneren Wälle und Grabenmauern der Nordfront so zerschossen und zermürbt, daß für den Infanterieangriff regelrechte Sturmgassen geschossen waren. Die im Vorgelände und in den Grabensohlen angelegten Drahtverhaue waren vom Granatfeuer niedergelegt, zerrissen und für Infanterie ebenfalls gangbar gemacht; die Stadt —

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 86. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/90&oldid=- (Version vom 1.8.2018)