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mit einer Meldung vorbei. Alle tragen die feldgraue Uniform.

Ich trete in die Bierwirtschaft ein, in die ich vorhin die jungen Burschen habe verschwinden sehen. Drinnen sitzen einige Soldaten. Ein blutjunger baumlanger Kerl, mit ausgesprochener Basler Mundart, erhebt sich – es will nicht enden, bis die Hünengestalt sich emporgereckt – und verläßt nach einigen Worten mit seinen Kameraden den Raum. Ein Kriegsfreiwilliger? Es ist zu glauben. Denn der Bursche zählt gewiß noch keine zwanzig Jahre.

Ein Radfahrer unterhält sich längere Zeit mit einem älteren Unteroffizier, der eine überaus schmucke Friedensuniform trägt, also nicht mehr an die Front muß. Nachdem sich der Unteroffizier endlich entfernt hat, setze ich mich, in der Hoffnung, etwas aus dem Kriegsleben zu erfahren, zu dem Landwehr-Radfahrer hin, der auf der Achselklappe die Nummer 109 trägt, die Nummer also des Landwehr-Infanterieregiments, das bei Tagsdorf gefochten hat. Die angebotene Zigarre wird gerne angenommen, der Mann wird bald zutraulich, zeigt mir sein Taschenbuch, worin er zur Erinnerung in späteren Zeiten die Kriegsbegebenheiten einträgt, an denen er teilgehabt hat. Als erste Notiz lese ich: „Gefecht bei Tagsdorf, 18./19. August.“ Dann folgen verschiedene Scharmützel mit französischen Kavallerie- und Infanteriepatrouillen. Dem Landwehrregiment 109, dem das Radfahrer-Detachement

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/9&oldid=- (Version vom 1.8.2018)