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befehligende Brigadekommandeur, eine der militärischen Prachtgestalten, die unter den deutschen Generaloffizieren so häufig sind, geborener Bayer, begleitet uns und richtet ab und zu eine Frage an einen Landwehrmann. Unbefangen und bestimmt lauten die Antworten. Es bestätigt sich hier der Eindruck, den uns schon die Besichtigung der Stellungen bei Thiaucourt hinterlassen hatte: es herrscht bei aller Strenge des Dienstbetriebs ein kameradschaftliches Vertrauensverhältnis zwischen Offizieren und Mannschaft; eine gute Mischung von unbedingter Vorgesetzten-Autorität mit wohlwollender Behandlung. Es sind meist Elsaß-Lothringer und Rheinpfälzer, die hier stehen. Die Feldwachen sind in Unterständen und Erdhöhlen wohl untergebracht, lustig flackert das Feuer, über dem die Abendsuppe brodelt. Die Infanteriestellungen, in die Kanonen und Maschinengewehre vorgezogen und eingebaut sind, stehen auch hier auf sechs- bis achthundert Meter am Feinde. Um eine Brücke über die Seille wird fast täglich gekämpft. Zwei Dörfer, die zwischen den beiden Stellungen liegen, sind in Trümmer geschossen. Abschnitte in der Stellung sind mit Drahthindernissen abgesperrt. Die Schützengräben sind stark ausgebaut, mit Unterständen versehen und auf starke Besetzung eingerichtet. Die Kanoniere führen den Karabiner. Auch hier finden wir in einer Batterie Vater und Sohn. Die Mannschaft ist aus Kriegsfreiwilligen, Ersatzreservisten und Landwehr gemischt.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 72. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/76&oldid=- (Version vom 1.8.2018)