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auf und lauschte der volltönenden Weise, die wie alle anderen Lieder ohne Text- und Notenbuch vollständig frei vorgetragen wurde. Als das Lied ausklang in den Worten: Am Rhein, am schönen Rhein, muß meine Heimat, meine Heimat sein — da brauste ein Beifallssturm durch die Gassen des alten französischen Städtchens.

Seither ist in der Gegend von Thiaucourt blutig gerungen worden. Das Bataillon, dem die Sängerschar angehörte, ist wohl auch im Kampfe gestanden, und manch einer der Sänger liegt vielleicht unter der Erde.

In sausender Fahrt brachte uns der Kraftwagen zurück, an den Toren von Metz vorbei ans rechte Moselufer. In der Vorstadt Montigny fährt eben ein Wagen mit Leichtverwundeten ein, Deutsche und Franzosen friedlich vereint mit sich führend. Noch steht ein Besuch des Seille-Abschnitts in der Gegend von Delme bevor, wo in den Augusttagen erbitterte Kämpfe getobt. Auf schnurgerader Straße geht die schnelle Fahrt über das topfebene, sturmfreie Festungsgebiet, zunächst an der Funkenstation von Metz vorbei, von der Senator Humbert in seiner bekannten Rede im französischen Senat im letzten Frühjahr gesagt, sie sei so stark, daß, wenn sie im Betriebe stehe, die Funkenstationen von Verdun und Toul gestört werden und nicht funktionieren.

Im Seille-Abschnitt besichtigen wir noch die Vorpostenstellungen zweier Kompagnien. Der dort

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 71. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/75&oldid=- (Version vom 1.8.2018)