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der mit Karabinern bewaffneten Fahrer auf der Straße stehen bleiben und besuchen zunächst die Villa Luft. So haben Landwehr-Pioniere ihr in und an einem armseligen Bauerngehöft aufgeschlagenes, den Winden ausgesetztes Quartier getauft. (Berner Truppen würden es Allenlüften benannt haben.) Die teilweise fast kellerartigen Räumlichkeiten der Gebäude sind mit Stroh und Decken bewohnbar gemacht, wohnlicher aber sind jedenfalls die selbsterstellten Baracken und die in die Erde gegrabenen Behausungen. Lustig brennt das Feuer in der Feldküche. Fuhrwerke und Erdwohnungen sind auch hier durch Zweige und Geäst maskiert. Die Stimmung dieser Leute, die tagsüber ihre Ruhezeit haben, des Nachts aber, unter dem Schutze der Dunkelheit, ihre Befestigungsarbeiten ausführen, ist ganz ausgezeichnet, fast übermütig fröhlich. Die mitgebrachten Rauchsachen und Zeitungen verbessern sie noch.

Weiter geht’s vom offenen Felde in einen Wald, im Vorüberschreiten an geräumten französischen Schützengräben vorbei, von denen einer Brandspuren zeigt, offenbar hatte das Lagerstroh des Grabens Feuer gefangen. Das ausgehobene und ausgeworfene Erdreich und der Grund der Gräben sind grün überwachsen von jungen aufsprießenden Gerstenhalmen; die Saat der aus dem Lagerstroh gefallenen Körner ist aufgegangen. Im Walde, in gut gedeckter Lage, ist ein Stabsquartier aufgeschlagen. Die Bretterwohnungen ganz angenehm, mit eisernen Heizöfen

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 64. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/68&oldid=- (Version vom 1.8.2018)