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bedrohte und dem Tode entronnene Schildwache. Am Baume neben dem Grabe, an den gestellt der Franktireur die tödliche Kugel empfing, sind Einschuß und Ausschuß deutlich erkennbar.

Im geräumigen Schloßhof ist ein Fuhrpark aufgestellt. Unter den deutschen Soldaten begegnen wir hier zwei Österreichern, die man übrigens, wie hier erwähnt werden mag, immer zu zweien, auch zuweilen in Metz antrifft. Sie gehören zur Bedienungsmannschaft einer österreichischen 30,5 Zentimeter-Motorbatterie, die weit von hier, vielleicht vor Verdun, in Tätigkeit sein mag. Sie sind vorübergehend hierher abkommandiert. Es sind, wie ihr gebrochenes Deutsch ausweist, Polen, und sie geben sich auf Befragen auch als solche zu erkennen.

Wir sind nun Zeugen, wie eben ein Teil der Beute aus dem von den Bayern eroberten Fort Camp de Romains bei St. Mihiel im Schloßhof eingebracht wird: eine alte Zwölf-Zentimeter-Bronzekanone, schön gearbeitetes Stück, das Rohr gibt in erhabener Schrift als Ort des Gusses „Bourges“ und als Zeit das Jahr 1884 an und trägt hinter der verzierten Mündung den stolzen Namen des Stückes: L'Indomptable — „Die Unbezwingliche“. Die zersplitterten Felgen und Wagenreifen, die durchlöcherte Protze beweisen, daß die Verteidiger im Regen der Granatsplitter tapfer ausgehalten haben. Verschluß und Zielvorrichtung sind zerstört. Auf einem Leiterwagen werden ferner zwei bronzene 15 Zentimeter-Mörser,

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 58. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/62&oldid=- (Version vom 1.8.2018)