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Lafetten, Protzen und übrige Fuhrwerke mit Laub und grünen Zweigen geschmückt. Die Batterien ziehen an die Kampffront zum blutigen Streit, als ob es zu einem Freudenfeste ginge. Mannschaften und Pferde sind frisch und munter, Geschirre und übrige Ausrüstung vollständig neu. Überflüssig zu bemerken, daß die ganze Kolonne in tadelloser Ordnung marschiert.

Von Gorze aus verzweigt sich das vielmaschige Straßennetz über die ganze Woevre. Daß im folgenden keine Ortsnamen mehr genannt werden, wird der Leser verstehen. Bald führt uns in einem der nächsten Dörfer ein Haus, das im Dache eine große Lücke zeigt, die furchtbare Wirkung der Fliegerbomben vor Augen. Hier ist jüngst ein französisches Luftzeug vorübergeflogen. Der Flieger warf eine Bombe hinunter, die das Dach und alle Böden bis ins Erdgeschoß durchschlug, wo ein Offizier schlief. Er wurde mitten entzweigerissen und war auf der Stelle tot. Zwei Kameraden, die im Nebengemach schliefen, kamen mit unerheblichen Verletzungen davon. — Im Weiterfahren bemerkt das aufmerksame Auge hinter Deckungen verborgene und mit Gezweige maskierte Ballon - Abwehrkanonen, Erdzelte, Beobachtungsstände mit Fernrohren, Geschützeinschnitte. Eine lange Pferdekolonne begegnet uns. (Ich will hier einschaltend nachholen, daß ich diese Fahrt in die Woevre der kollegialischen Liebenswürdigkeit des Kriegsberichterstatters der „Münchener Neuesten Nachrichten“,

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 53. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/57&oldid=- (Version vom 1.8.2018)