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Meine Ausweise beruhigen ihn etwas, und der gestrenge Bahnhofsvorsteher erhält schriftliche Weisung, mir eine Fahrkarte nach Metz auszufolgen, wo ich mich überdies noch vorsichtigerweise telegraphisch beim Militärgouvernement anmelde. So erhalte ich einen Vorgeschmack von der Strenge, mit der gegenwärtig der Verkehr im Grenzgebiet der beiden kriegführenden Heere deutscherseits gehandhabt wird. Ich sollte den Grund davon bald erfahren: es ist die mit den raffiniertesten Mitteln betriebene Spionage, die nach Versicherungen von zahlreichen glaubwürdigen Stellen von den Franzosen in der deutschen Front und deren unmittelbarer Nähe betrieben wird. Daß man da auf einen einzelreisenden Ausländer ein besonders scharfes Auge hat, ist nicht verwunderlich. Im Bahnhof in Metz werden die Ankommenden neuerdings einer Prüfung unterworfen. Reisepaß und alle Ausweise und Empfehlungen hoher bürgerlicher Behörden und militärischer Kommandostellen Deutschlands und der Schweiz berechtigen nicht zum Austritt aus dem Bahnhof. Ich werde damit an die Bahnhofkommandantur gewiesen, wo meine Papiere geprüft und richtig befunden werden und der Passierschein für das Verlassen des Bahnhofs ausgestellt wird, nachdem nun überdies noch meine telegraphische Anmeldung beim Gouvernement von Metz am Fernsprecher bestätigt worden ist. Alle diese umständlichen, aber sicherlich gerechtfertigten Förmlichkeiten werden übrigens von den Bahnhofsbeamten

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 42. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/46&oldid=- (Version vom 1.8.2018)