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herrsche dort ein entsetzlicher Leichengeruch, und das Leben in den unterirdischen Behausungen, die sich Freund und Feind in die Erde eingegraben haben, sei eine Qual. Die Engländer bedienen sich nach dem Zeugnis meines Gewährsmannes einer eigentümlichen Kriegslist, um des Nachts an die deutschen Stellungen heranzugelangen und die deutschen Patrouillen oder Ausspäher wegzuschießen. Sie schicken in Stroh eingewickelte Leute vor, die lautlos in die Rübenäcker vorkriechen, und dort auf der Lauer liegend ihre Opfer suchen. Der deutsche Soldat hat für diesen gefährlichen Mummenschanz den Ausdruck „Rübenschwein“ erfunden.

Unter solchen Gesprächen erreichen wir Trier. Ein kurzer Blick auf die großartigen Überreste der gewaltigen Römerbauten der einstigen Augusta Trevirorum, dann heißt es Abschied nehmen. Unser Kraftwagen wird von drei Offizieren in Beschlag genommen, die in die Gegend von Toul fahren, der Kriegsmaler verfrachtet seine Ladung Liebesgaben in einen anderen Wagen, und ich erreiche abends die Umsteigestelle Dillingen, wo mir der Bahnhofsvorsteher zunächst die Weiterfahrt ins Festungsgebiet verweigert. Glücklicherweise gibt es dort einen Bahnhofskommandanten. Es ist ein temperamentvoller preußischer Hauptmann in älteren Jahren, der aus seinem Herzen keine Mördergrube macht und sich mit Leidenschaft über die verbündeten Feinde Deutschlands und ihre Kriegführung äußert.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/45&oldid=- (Version vom 1.8.2018)