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erzählt von den langen Tagen und noch längeren Nächten, die sie während der kalten Regenzeit Ende September im Schlamm und Dreck, der fast über die Stiefelschäfte hinausreichte, zugebracht, drei bis vier Tage lang ohne Ablösung. Nur einmal täglich, abends wenn die Dunkelheit hereinbrach und einen Schutzwall gegen die französischen Geschosse errichtete, konnte ihnen warme Nahrung gebracht werden. Und doch ging ihnen auch da der Humor nicht aus. Der deutsche Soldatenhumor ist ein Ding an sich, von dem noch besonders gesprochen werden wird. Einer, der den linken Arm in der Schlinge trägt — ein Granatsplitter hat ihm den Unterarm durchschlagen — ist besonders gut aufgeräumt. Er erzählt, wie sie schlechte Witze machten im Schützengraben, wenn die Franzosen schlecht schossen und ihre Granaten nicht krepierten. Ssssss . . . der eigentümliche zischend-summende Laut, mit dem der deutsche Soldat den Granatschuß nachahmt, kann durch Schriftzeichen nicht wiedergegeben werden. Wenn's zu langweilig wurde im Schützengraben, so erzählt mein gesprächiger Bayer weiter, so spielte uns die Musik eins auf, gelegentlich auch: Puppchen, du bist mein Augenstern. Am Ende versöhne ich mich noch mit der mir sonst unausstehlichen Melodie. Manch übermütig trotziges Wort vernehme ich. „Jetzt ist’s eine Freude zu leben, jetzt gilt der Soldat alles“, meint einer. Sie scherzen über die Vorliebe der Bayern für Bajonett und Kolben, dabei glänzen die Augen

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 33. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/37&oldid=- (Version vom 1.8.2018)