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Dinge mit offenem Blick betrachtenden Beobachter ins Bewußtsein treten.

Welch ein Leben und Treiben auf den größeren Bahnhöfen! Vertreter und Vertreterinnen des Roten Kreuzes wandeln an jeder Station, auf der der Zug hält, eiligen Schrittes den Bahnsteig auf und ab, den reisenden Soldaten, verwundeten und unverwundeten, warme Suppe oder Kaffee, belegte Brötchen, Zigarren und Zigaretten in reichlichem Maße austeilend. Auch der bürgerliche Mitreisende darf sich bedienen gegen eine seinem Ermessen anheimgestellte Gabe für das Rote Kreuz. Schon in Freiburg steigen die ersten Verwundeten in den Bahnzug ein, meist leichter verletzte, der völligen Wiederherstellung entgegensehende Leute, die zur Erholung in rückwärtige Militärheilstätten gewiesen sind. Sie reisen einzeln oder in Gruppen, mit Reisepaß versehen. Überall weisen die Schaffner den Verwundeten die zweite Wagenklasse an. Da ist es nicht schwer, Unterhaltung zu pflegen, rasch hebt sich ein munteres Plaudern an. Der Verwundete ist im allgemeinen gesprächig, gern gibt er Auskunft über seine Erlebnisse. So bin ich plötzlich im Geiste mitten in den Stellungskämpfen an der Maas. Es sind Soldaten von zwei bayrischen Regimentern, deren Nummern ich aus berechtigter Vorsicht verschweige, mit denen mich der Zufall zusammenführt. Sie haben bei Apremont und am Rupt de Mad in den Schützengräben gelegen. Ein blonder bleicher Füsilier

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 32. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/36&oldid=- (Version vom 1.8.2018)