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In schweren, von der Truppe selbst gezimmerten sechsspännigen Schlitten werden wir aus dem Weiler im Talgrunde zum Übungsfelde einer Schneeschuhkompanie hinaufgeführt. Zwei Reiter eröffnen als Bedeckung den Zug, auf den großen, starken Leitpferden sitzen als Lenker Soldaten. So geht es den Berg hinan bis an einen schönen weiten Schneehang, wo die Übung stattfindet. Auf einer ebenen Terrasse des Abhanges sind einige Unterkunftsräume erstellt. Zunächst besuchen wir eine Schneehütte, die Schutz für etwa acht Mann in sitzender oder zwei Mann in liegender Stellung bietet. Der Eingang ist mit Zelttuch verhängt. Die Schneewände sind mit Tannengrün verkleidet, die Schneebänke mit Schneeschuhen und Wolldecken, der Boden mit Brettern und Tannenreis belegt, in die Schneemauern sind kleine Nischen eingehauen, in denen Öllämpchen und Berglaternen stehen und den Raum beleuchten. Eine Notwohnung, die im Bedarfsfalle ihrem Zwecke als Schutzhütte durchaus entspricht.

Unweit davon ist ein schwedisches Zelt errichtet, auf dem — zu Ehren des Gastes aus dem neutralen Schweizerlande — heute ein Schweizerfähnchen gehißt ist. Luftig flattert das weiße Kreuz im roten Feld im Winde und leuchtet in die Schneelandschaft der Vogesen. Die liebenswürdige Aufmerksamkeit geht dem Schweizer zu Herzen.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 242. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/246&oldid=- (Version vom 1.8.2018)