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Es sind Leute verschiedener Waffengattungen und Altersklassen; an einem Tische sitzen die Unteroffiziere, ausnahmslos flotte Gestalten, in einer Ecke einige Bürgersleute. Ich setze mich grüßend an den ersten besten Tisch, wo ein Platz frei ist, und komme bald ins Gespräch mit meinen Nachbarn, denen ich, nachdem das Eis gebrochen und ein Gespräch angeknüpft ist, eine gewaltige Freude mache mit einigen elsässischen und badischen Zeitungen, die ich auf meinen Streifzügen immer mit mir führe. Zeitungen gehören nebst Rauchsachen zu den beliebtesten Soldatengeschenken. Denn sie sind gar so selten im Felde. Aber was ist das? Rechts oben an der südlichen, gegen Rixheim gerichteten Schmalseite des Raumes erblicke ich in der Wand ein großes, fast kreis-rundes Loch, das von einer französischen Granate geschlagen worden ist. Die Deutschen wurden hier auf ihrem Rückzug in den Hardtwald im zweiten Gefecht bei Mülhausen von den Höhen bei Rixdorf von französischer Artillerie beschossen.

Meine Tischgenossen sind ältere Leute, Landwehr zweiten Aufgebots, alle gut gebaut und von intelligentem Aussehen. Sie gehören einer technischen Waffe an und sind anscheinend zu Wiederherstellungsarbeiten hierher kommandiert. Es sind fast lauter Süddeutsche, Badener, Württemberger, Pfälzer und einige Rheinländer. Sie rühmen die gute Kameradschaft in der Einheit und das schöne Verhältnis zu ihren Vorgesetzten.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/24&oldid=- (Version vom 1.8.2018)