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Das Gefecht von Ober-Burnhaupt vom 7. und 8. Januar ist ein typisches Beispiel eines Orts- und Nachtgefechtes mit allen seinen Überraschungen, Zufälligkeiten und Zwischenfällen, die hier nicht in allen Einzelheiten verfolgt werden konnten. Daß die Gefechtsleitung bei der oberen Führung Anerkennung gefunden hat, wurde dadurch kundgemacht, daß als Losungswort für den folgenden Tag der Name des Majors M. ausgegeben wurde.

Begleitet von einigen Offizieren besuchte ich nach der Begehung des Gefechtsfeldes noch die St. Theodorskapelle in Nieder-Burnhaupt, einen vielbesuchten Wallfahrtsort. Sie ist von den Franzosen während ihres Einfalles als Unterkunft benützt worden und befindet sich jetzt in recht verwahrlostem Zustande. Die Kirchenstühle sind herausgeschafft und entweder als Brennmaterial oder zu anderen militärischen Zwecken verwendet worden. Über dem Buchwald ragt ein zerschossener Turm empor: der Kirchturm von Gildweiler, auf dem die Franzosen einen Beobachtungsposten errichtet hatten. Das Haus, in dem vorher der Ortskommandant Quartier und Telephonzentrale eingerichtet hatte, war von den Franzosen beschossen worden und zeigt eine mächtige Bresche von einer Granate. Vor verschiedenen Häusern sind die Soldaten damit beschäftigt, die Kellerlöcher mit Mist zuzudecken, um die Keller bei einer Beschießung als bombensichere Unterstände benützen zu können.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 234. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/238&oldid=- (Version vom 1.8.2018)