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dem Kopfe des Blattes stand mit Bleistift geschrieben: Vous nous avez déclaré la guerre, vous êtes vaincus.

Ich sah auch Briefe von Französinnen an ihre im Felde stehenden Angehörigen, aus denen sich bemerkenswerte Schlüsse auf die wirtschaftliche Lage in Frankreich ziehen lassen. In einem Briefe vom 27. Oktober schreibt eine Schwester aus einem Städtchen im französischen Vogesengebiet an ihren im 43. Bataillon der Chasseurs eingeteilten Bruder: Alles ist teuer und es gibt nichts mehr zu verdienen, ich weiß nicht, was aus uns werden soll, wenn das noch andauert. (Tout est hors de prix et il n'y a plus de gain, je ne sais pas ce que l'on deviendra, si cela dure encore.) In einem späteren Briefe vom 16. November schreibt die nämliche Person aus dem gleichem Orte an den Bruder: Wir bezahlen 90 Centimes für vier Pfunde Brot, Fr. 1,50 für das Kilogramm Zucker, Fr. 1,40 für das Pfund Käse. Speck und Fleisch ißt man nicht mehr, man begnügt sich mit gutgefettetem Gemüse mit Ochsenschmalz, das mit Speck vermischt wird. — Es ist kaum anzunehmen, daß seit Mitte November diese Verhältnisse besser geworden und die Lebensmittelpreise im französischen Operationsgebiet heruntergegangen sind.

IV

Unser Aufenthalt in der deutschen Stellungsfront an den Ausläufern der Vogesen fiel in eine Zeit der schlimmsten Witterung. Unaufhörliche

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 207. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/211&oldid=- (Version vom 1.8.2018)