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und ist auf Neujahr im Alter von fünfzehn Jahren zum Leutnant ernannt worden.

Auf dem Gefechtsfelde, wo der Generalstabsoffizier uns den Verlauf des Gefechtes mit anschaulicher Lebendigkeit schilderte, liegt in einem wunderschönen großen Parke ein anderes französisches Schloßgut, dessen Besitzer sich mit seiner Familie verzogen hat. Das Schloß birgt reiche Kunstschätze an alten Bildern, Standuhren, kostbaren Vasen und Möbeln. Da seine Belegung mit Offizieren oder Truppen nicht unbedingt notwendig war, ist auf Anordnung der höheren Truppenführung das ganze Schloß samt dem Park streng abgesperrt worden und wird jetzt von deutschen Wachtposten bewacht. Ein deutscher Offizier ist zum Schloßverwalter ernannt und führt uns mit dem Schlüsselbunde in der Hand in den schönen Gemächern herum. Wenn nach dem Kriege Monsieur le Baron und Madame la Baronesse, die, nach dem in einem Raume hängenden Bilde zu schließen, einmal eine Frau von vollendeter Schönheit gewesen sein muß, mit ihren Kindern in ihr Besitztum zurückkehren, so werden sie die Möbel und Kunstschätze unberührt an Ort und Stelle wieder finden. Das elegante Modehütchen der Frau Baronin liegt noch auf der Chaiselongue, wo sie es bei der etwas überstürzten Abreise hat liegen lassen. Die Spiele, mit denen sich die zwei Kinder des freiherrlichen Ehepaares, ein Knabe und ein Mädchen, die Zeit vertrieben, liegen in lieblicher Unordnung in den Gängen herum wie

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 204. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/208&oldid=- (Version vom 1.8.2018)