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Auf der Heimkehr begegneten wir in einem Dorfe zwei Maschinengewehrzügen, die dem Heereskörper neu zugeteilt worden und eben angekommen waren. Auch sie werden vom General kurz begrüßt. Sie sind ihm ein hochwillkommener Zuwachs. Maschinengewehre hat man nie genug, ganz besonders im Stellungskriege, wo das Flankierungsfeuer eine so wichtige Rolle spielt. Und das Flankierungsfeuer der deutschen Maschinengewehre übt, wie alle Augenzeugen bekunden, eine fürchterliche Wirkung aus.

Die Schilderung der Befestigungsarbeiten wäre unvollständig, wenn nicht auch noch eines Beobachtungsstandes gedacht würde, in dem zwei Scherenfernrohre aufgestellt sind. Der Stand ist auf einem hochgelegenen Punkte mit sehr großer Fernsicht in die Erde eingegraben, so daß er im Gelände vollständig unsichtbar ist. Die wunderbare Fernrundsicht ist in einem großen Panorama aufgenommen, das im Innern des Standes aufhängt. Im weiten Umkreise, bis auf die Entfernung von dreizehn Kilometern, kann das geübte Auge des Beobachtungsoffiziers durch das Scherenfernrohr jeden einzelnen Soldaten erkennen. Der Offizier stellt das eine Fernrohr auf eine in der Luftlinie zweiunddreißig Kilometer entfernt liegende große französische Stadt ein. Ihre Türme und Dächer heben sich aufs deutlichste vor unseren Augen ab, als ob die Stadt zu unseren Füßen läge.

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 199. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/203&oldid=- (Version vom 1.8.2018)