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Befriedigung aus über die von ihm besichtigten Arbeiten. Der deutsche Offizier ist karg mit dem Lobe. Um so wirksamer ist es, wenn es gespendet wird. Wenn eine Truppe Anspruch auf lobende Anerkennung hat, so sind es vor allem auch die deutschen Pioniere. Was die Pioniertruppe in diesem Feldzug leistet, im Eisenbahnbau, im Wiederherstellen zerstörter Bahnen, Straßen und Brücken, in Befestigungswerken, in technischen Arbeiten aller Art, die, wo es sein muß, rücksichtslos und mit Todesverachtung unter dem feindlichen Feuer ausgeführt werden — das ist unerreicht und unübertroffen und wird einst in der Kriegsgeschichte einen hervorragenden und ehrenvollen Platz einnehmen. Es steckt eine unerschöpfliche Arbeitskraft und ein nie erlahmender Arbeitsgeist in dieser Truppe. Nichts ist ihr zu viel, keine Aufgabe zu hoch gestellt. Im Kugelregen und Granatenhagel tut sie ihre Arbeit mit der gleichen Ruhe und Selbstverständlichkeit, wie auf dem Übungsplatz der Friedensgarnison.

Wiederholt bietet auf der Hin- und Rückfahrt der General auch den arbeitenden Infanteristen seinen Gruß: Guten Morg’n, Leute und empfängt den Gegengruß: Guten Morg’n, Exzellenz! Diese Art des Verkehrs des höchsten Vorgesetzten eines Heereskörpers mit seiner Truppe ist keine leere inhaltlose Förmlichkeit. Ich will meiner Truppe kein Fremder sein, die Leute sollen ihren General kennen, sagt mir Herr General v. T. auf der Heimfahrt. Das ist nicht ohne Bedeutung.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 198. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/202&oldid=- (Version vom 1.8.2018)