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der Kirche liegt. Achtundsechzig Krieger liegen hier begraben, sechs Deutsche, die andern Franzosen. Verwelkte Kränze und Blumen und einige Kreuzlein aus Holz sind vorläufig ihr Schmuck.

Ein einsamer Waldweg führt mich nach Illzach, das in Zeitungsberichten ebenfalls als halbzerstört und verwüstet dargestellt wurde und doch das Bild des tiefsten Friedens bietet. Nur daß auf dem ersten Hause linker Hand die Fahne mit dem roten Kreuz weht. Nicht einmal ein Wachtposten ist zu sehen. Das Dorf ist, soweit ich es selbst feststellen kann und wie mir auf Befragen bestätigt wird, völlig unversehrt geblieben. Drüben in Kingersheim, dessen Kirche herübergrüßt, raucht ein Fabrikschlot, zum Zeichen, daß das wirtschaftliche Leben sogar in dieser schon zweimal vom Kriege überzogenen Gegend nicht völlig unterbunden ist.

Außerhalb des Dorfes gegen Modenheim zu erblicke ich bald, rechts und links der Straße, zum Freimachen des Schußfeldes gefällte Bäume und in Stoppeläckern und grünen Wiesen flüchtig aufgeworfene Schützengräben für kniende Schützen. Sie sind nach ihrer Schußrichtung und nach der Sachlage von den Vorposten der Franzosen bei ihrem zweiten Einfall erstellt worden.

An der Illbrücke zwischen Illzach und Modenheim steht ein Landsturm-Doppelposten, jenseits erblicke ich ein neues Massengrab. Die Schildwache läßt mich auf Vorweisung meines Passierscheines

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 16. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/20&oldid=- (Version vom 1.8.2018)