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und noch ein Bürger; die haben’s erschossen, weil sie sagten, sie hätten aus den Häusern geschossen. S’ist aber nit wahr g’wesn.“

Wer will da die Wahrheit ergründen? Wer will es den Leuten verdenken, die für die Unschuld ihrer Angehörigen, ihrer Dorfgenossen eintreten und mit aller Bestimmtheit verbürgen, auch was sie nicht mit eigenen Augen gesehen haben? Und wer will anderseits die Krieger verurteilen, die ihr Leben fürs Vaterland einsetzen, wenn sie sich hinterrücks überfallen, dem feigen Meuchelmorde ausgesetzt sehen oder auch nur glauben, und in der wahnwitzigen Wut, die der mörderische Kampf des Nachtgefechts auslöst, den Schuldigen oder Schuldiggeglaubten kurzerhand niederstrecken? Das ist der Krieg, der hüben und drüben Unschuldige hinmäht und die größten Schuldigen, in weiter, weiter Ferne, wo sie sicher geborgen sind, verschont. Das ist der Krieg, der große Kampf um das Dasein eines Volkes, in dem das Einzelwesen nichts, das große Ziel der Gesamtheit alles ist. Das ist der Krieg, der die Not gebiert, die kein Gebot kennt.

Der Burzweiler Bürger erzählt mir weiter, wie die Dorfbewohner auf dem Schulhaushof zusammengeführt und mit „Hände hoch“ durchsucht wurden. Er zeigt mir die Stellen, wo das Dorfgefecht gewütet, die Felder und Äcker, wo die meisten Toten lagen, so daß ich mir ein Bild von den Gefechtsstellungen machen kann. Dann führt er mich zum Massengrab, das unweit

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 15. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/19&oldid=- (Version vom 1.8.2018)