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waren mit grünen Kränzen und Bändern in den Landesfarben geschmückt, wie in einem Festsaale. Auf den Tischen stand reicher Blumenschmuck, die Spende edler Menschenfreunde. Ein Menschenfreund im vollen Sinne des Wortes ist auch der Chefarzt selbst. Ihm leuchteten die Augen der Verwundeten entgegen. Hier einem und dort einem klopft er freundlich auf die Schultern, fragt ihn nach seinem Befinden, erkundigt sich, wie lange er im Lazarett sei. Hat einer hundert Tage im Lazarett verbracht, verordnet ihm der Chefarzt eine Flasche Wein und sechs Zigarren. Das gleiche Geschenk erhält jeder, der mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wird. Durch solche Aufmerksamkeiten und durch die liebevolle Teilnahme an ihrem Schicksal erhöht der Chefarzt das Wohlbefinden der Verwundeten und fördert ihre Genesung. Durch Aufrufe in den Zeitungen, die er erlassen hat, sind ihm in reichem Maße Liebesgaben an Blumen, an Unterhaltungsspielen und an Büchern aller Art zugegangen, so daß das Lazarett über eine ganz ansehnliche Bibliothek verfügt. Außerdem liegen über ein halbes Hundert Zeitungen auf. Als besondere Wohltat empfinden es die Verwundeten, daß jeder ein einfaches Eß- und Lesetischchen zum Aufstellen im Bette erhält. Diese Tischchen werden auf Anordnung des Chefarztes aus gebrauchten Kisten im Lazarett selbst gezimmert. Hier wie in allen größeren Lazaretten finden von Zeit zu Zeit Konzerte und Vorträge statt. Wo ein passender Saal zur Verfügung

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 181. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/185&oldid=- (Version vom 1.8.2018)