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Stelle, wo sich die Straße zu einem kleinen Platze erweiterte, saß eine Gruppe im Kreise herum und plauderte. Da stimmte einer plötzlich an, und in die Nacht hinaus klangen die gedämpften Stimmen, innig und sehnsüchtig. Und noch einmal war’s die alte Weise: Stille Nacht, heilige Nacht . . .

Halblaute Kommandostimmen: Auf! Vorwärts marsch! Und weiter ging’s in die dunkle Nacht hinaus, auf hart gefrorenem, holprigem Wege, an die Front, dem Feinde entgegen. Am Schlusse der Kolonne marschiert eine Abteilung junger Ersatzmannschaften, die sich hier angeschlossen haben und morgen eingereiht werden sollen. Frische, flotte Jungen. Die übermütigen Scherzworte, die in der Ausbildungszeit im Garnisondienst so leicht über die Lippen flossen, waren freilich heut abend verstummt. Eine ernste, fast feierliche Stimmung war über die jungen Leute gekommen. Heute nacht noch stehen sie zum ersten Male dem Feinde gegenüber, und schon das Morgenrot leuchtet vielleicht dem einen oder anderen zum frühen Tod.

So schloß der letzte Abend meines dreitägigen Aufenthaltes an der deutschen Front, zu Kriegsweihnachten 1914. Es war ein Erlebnis.




In deutschen Kriegslazaretten

Wenn einst die Geschichte des europäischen Krieges geschrieben wird, werden auch die Leistungen und Fortschritte der Kriegschirurgie und Kriegsmedizin ihre fachwissenschaftliche Würdigung

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 173. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/177&oldid=- (Version vom 1.8.2018)