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aber noch lebend ausgegraben, einem, dem Pionier, wurden beide Beine weggerissen, so daß er verblutete. „Er war ein guter Soldat,“ sagt Oberst V. „Es trifft immer die Besten. Drunten auf dem Friedhof am Dorfrande liegt auch ein Unteroffizier, es war ein trefflicher Soldat. Wochenlang hat er sich darauf gefreut, daß endlich der Angriff auf den Berg beginne. Da war er der erste, der dabei fiel.“ Der Oberst läßt nun die Toten, statt auf dem Friedhof am Dörfchen, im Walde beerdigen, damit die Leute sich weniger beunruhigen. Ein Waldfriedhof von unbeschreiblicher Schönheit. Auch diese Gräber sind mit Tannenreis, mit Weihnachtsbäumchen, mit Efeu und Stechpalmenkränzen, aus denen die roten Beeren hervorleuchten, reich geschmückt.

Wir besichtigen jetzt den Sappenangriff. In zweiwöchiger harter Arbeit wurde die Bergkuppe den Franzosen abgerungen. In dem dichten Unterholz lagen die französischen Schützen versteckt und beschossen jeden Mann, der sich zeigte. Ein Vortragen des Angriffs war nur mit der Sappe möglich. Im Schutze des nächtlichen Dunkels setzte sich zuerst eine deutsche Schützenlinie am Berghange fest. Jeder einzelne Schütze schürfte den steilen, steinigen, wurzelreichen Waldboden des Hanges an und schaffte sich so eine Deckung, so gut es ging. In einer der folgenden Nächte schlich die Schützenkette zehn bis zwanzig Meter vor, schürfte wieder und suchte hinter der aufgeworfenen Erde Deckung. Deutlich

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 165. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/169&oldid=- (Version vom 1.8.2018)