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Truppen besetzt war. Die Lebensmittel waren ausgegangen, es fehlte an Brot, an Kartoffeln, denn die Ernte konnte nicht eingebracht werden, die Kartoffeln faulen noch heute im Boden. Seitdem die Franzosen auf ihre jetzigen Stellungen zurückgeworfen und die Deutschen im unbestrittenen Besitze des Dorfes sind, ist die Lebensmittelversorgung der Bewohner, wie überall, wo deutsche Truppen französische Gebiete besetzt haben, geordnet. Lebensmittel werden durch die Heeresverwaltung herbeigeschafft und an die Bevölkerung abgegeben. Maintenant, nous avons à vivre, les soldats partagent leur pain avec nous, sagte die schöne junge Französin. Il paraît que ce ne sont pourtant pas des barbares, bemerke ich, und sie antwortet mit Leidenschaft: Non, certainement pas, monsieur. Mais vous savez, c'est la guerre, qui excite tant les âmes des gens qu'ils se médisent, qu'ils se calomnient.

IV

Über dem Weiler im Talgrunde, zu dem wir von dem Waldquartier des Regiments-Kommandeurs Oberst V. herunter gestiegen waren, erhebt sich auf der anderen Seite eine einhundertzwanzig Meter hohe, waldige Bergkuppe, die von den Deutschen in hartem Sappenangriff den Franzosen abgerungen worden ist. Bevor wir den stillen Ort verlassen und den Berg hinansteigen, führt mich der Oberst noch zum Kriegerfriedhof, der auf einer Wiese am Dorfrand angelegt worden ist.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 163. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/167&oldid=- (Version vom 1.8.2018)