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gemütlich eingerichtet und ausgepolstert. Überall, in den Mannschaftsräumen so gut wie in den Offizierswohnungen, steht ein Weihnachtsbaum, und die Weihnachtsgaben sind auch in diese entlegenen Quartiere gelangt. Oft finde ich unter dem Tannenbaum die Bilder der lieben, fernen Familienangehörigen, der Frau und der Kinder oder der Eltern aufgestellt.

Nach kurzem Halt geht es weiter über Berg und Tal. Rüstigen, leichten Schrittes schreitet Oberst V. als Führer auf dem schmalen Wald-Pfade voran, ich folge als zweiter der Kolonne. Unterwegs besichtigen wir verschiedene Höhlenwohnungen, Unterstände und Stellungen, die zum Teil noch im Bau sind. Heut, am Weihnachtstage, ist die Arbeit eingestellt, sonst wird von den Leuten, die nicht Dienst im Schützengraben haben oder sonst unter den Waffen stehen müssen, fleißig an der Verstärkung und Verbesserung der Werke und an der Neuerstellung von Unterkunftsräumen, Zufahrtswegen, Entwässerungen, Schutzbauten, Treppen und Maskierungen gearbeitet. Eine Anzahl Pioniere ist dem Regiment zugeteilt, das im übrigen im Offizierkorps mehrere Techniker zählt, die derartige Bauten zu leiten verstehen.

Hinter einem Waldrande orientiert mich der Oberst über die Stellungen. Wir sind jetzt den vordersten Linien nahe, dann und wann hören wir einige Schüsse fallen. Mit dem Feldstecher kann ich deutlich über ein Tälchen hinweg französische

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 159. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/163&oldid=- (Version vom 1.8.2018)