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Front geführt werden soll. Beim Abschied kommt eben auch der Divisionskommandeur, General R. angeritten, dem ich ebenfalls vorgestellt werde. Er trägt einen alten polnischen Namen, scheint voll Temperament und guter Laune und ein leidenschaftlicher Reiter zu sein.

Begleitet von einem Offizier und einem Mann mit geladenem Gewehr, steige ich am Nachmittag einen Berg hinan, der mit Ginstergesträuch und jungem Tannenwald bewachsen ist. Nach einer etwa anderthalbstündigen Wanderung erreichen wir das Stabsquartier des Obersten V., dessen Infanterie-Regiment diesen Abschnitt besetzt hält. An einem steilen Waldhang, zu dem eine von den Pionieren gebaute Treppe hinaufführt, bewohnt der Oberst, abgeschieden von der Welt, mit seinem Adjutanten und einigen Mann seine Klause. Er ist eine schöne, geschmeidige Soldatengestalt, eine richtige Reiterfigur, aber auch ein gewandter Bergsteiger, was in dieser Berggegend noch wichtiger ist, schlank und hager. Von herzgewinnendem Wesen. Seine Wohnung, ein in den Waldhang ein- und gut ausgebauter Unterstand, ist recht wohnlich eingerichtet, als Bettstellen dienen ihm und dem Adjutanten zwei einfache Holzgestelle, wie man sie in unsern Alphütten sieht. Aber es fehlt nicht an Matratzen und Decken und sauberem Linnenzeug. In der Ecke spendet ein eiserner Zylinderofen, den die Heeresverwaltung geliefert hat, eine angenehme Wärme. Auch die benachbarten Mannschaftsunterstände sind recht

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 158. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/162&oldid=- (Version vom 1.8.2018)