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Soldatenchor umrahmt die Feier mit Weihnachtsliedern. Nach der kirchlichen Feier begeben sich die Offiziere und Soldaten in das Schulhaus, wo die Bescherung der Mannschaften, die Verteilung der überreich eingegangenen Weihnachtsgaben stattfindet. Zwei Christbäume verbreiten auch hier Licht und Glanz. Der kommandierende General hält eine kurze Ansprache, die mit dem dreifachen Hoch auf den Kaiser schließt. Hierauf begeben sich die Offiziere zum Weihnachtsmahle in ihr Kasino, das einfache Dorfwirtshaus, dessen Schild daran erinnert, daß hier gute Jagdgründe sind. Der niedere Raum, der fast über und über in Grün prangt und mit Girlanden, Bändern und Tannenbäumchen sinnig ausgestattet ist, bietet ein sehr trauliches Heim.

Begleitet von Oberstleutnant F. dem Artilleriechef im Generalkommando, setze ich meine Reise an die Front fort. In der Abenddämmerung erreichen wir das Dorf, von dem aus wir gestern auf den Bergkamm emporgestiegen sind. Bald tritt völlige Dunkelheit ein. Oberstleutnant F. gibt dem Führer des Kraftwagens den Befehl, die Lichter zu löschen und langsam zu fahren. Das Lichterlöschen ist eine durch die Erfahrung aufgenötigte Vorsichtsmaßregel, denn wir kommen jetzt in Sicht und Schußbereich der französischen Granaten, denen ein im Scheine der Laternen auf der Landstraße fahrender Kraftwagen ein erwünschtes Ziel wäre. Das langsame Fahren aber nötigt sich auf, weil jetzt bei der Dunkelheit

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 150. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/154&oldid=- (Version vom 1.8.2018)