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obwohl die Granaten ganz plötzlich vor und hinter ihrer Linie einschlugen. Der Rückzug der Arbeiter soll allerdings fluchtartig gewesen und ihre Lust zu weiterer derartiger Verwendung sehr herabgestimmt worden sein. Was nicht zu verwundern ist.

Im übrigen bietet Mülhausen, abgesehen von den Zerstörungen an der Basler Straße, die von der Kanonade vom 18./19. August herrühren, einen recht friedlichen Anblick. Der Verkehr auf den Hauptstraßen und -Plätzen ist viel belebter als in Bern. Vor dem Stadtkommando, wo die Reichsfahne heraushängt, ist ein stetes Kommen und Gehen von Offizieren und Bürgersleuten, die dort ihre Passierscheine zur Durchsicht und Abstempelung abgeben müssen. Vor den Amtsgebäuden stehen Landsturm-Schildwachen, die ihren Dienst geräuschlos tun und auf Befragen kurzen aber freundlichen Bescheid geben. Die Wirtschaften sind ordentlich besucht. Im Wirtschaftsraume des Gasthofes, wo ich Quartier bezogen habe, verkehren besonders viele Unteroffiziere verschiedener Dienstzweige, auch militärische Hilfsärzte, am linken Arm die weiße Binde mit dem roten Kreuz, ältere Kliniker, die ihre Staatsprüfung noch nicht bestanden und daher den Offizierscharakter noch nicht erhalten haben. Mit einem ehrsamen älteren Bürger, der sich an den gleichen Tisch mit mir gesetzt, knüpfe ich ein Gespräch an. Es ist ein Badener, der hier geschäftliche Angelegenheiten zu erledigen

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 10. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/14&oldid=- (Version vom 1.8.2018)