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erträglicher zu gestalten. Überall sind Arbeiten im Gange, um die Erdwerke zu verbessern, Ablaufkanäle zur Entwässerung der Gräben, sogenannte Stichgräben mit Latrinenanlagen werden erstellt, um Reinlichkeit und Gesundheit so viel wie möglich zu fördern. Es scheint, daß hierauf in den französischen Linien weniger Aufmerksamkeit verwendet wird. Von dem Zustand französischer Schützengräben, die gestürmt worden sind, werden mir von deutschen Offizieren, die dabei waren, grauenerregende Schilderungen gemacht.

Allenthalben werden jetzt Vorkehrungen getroffen, um den Winteraufenthalt in den Vorpostenstellungen erträglich zu gestalten. Für die Schildwachen werden Strohhütten erstellt. Die unterirdischen Erdpaläste, wie die Unterstände für die Feldwachen genannt werden, werden fleißig ausgebessert, wohnlicher, gesunder ausgebaut. Licht- und Luftkanäle, die auf die rückwärtige Seite der Werke auslaufen, sorgen für Belichtung und Ventilation; Heizeinrichtungen sind vielfach schon erstellt oder im Baue. Gegen das Eindringen von Feuchtigkeit durch die Decke schützt man sich durch Errichtung von Schirmdächern aus Dachpappe. Eine unterirdische Offizierswohnung, in die ich eintrete, entbehrt nicht eines gewissen Komforts. Ein Spiegel, ein Heizofen, eine Bank und ein Tisch, wie man sie etwa in unseren Alphütten sieht, und einige Bilder aus illustrierten Zeitschriften an der Wand verleihen dem Raume sogar eine gewisse Behaglichkeit. Über dem Eingang

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 131. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/135&oldid=- (Version vom 1.8.2018)