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bisher sämtlich erfolglos geblieben, obwohl einige mit sehr großem Aufwand an Artilleriemunition, dem aber die entsprechende Wirkung fehlte, eingeleitet wurden. Der starke artilleristische Munitionsverbrauch läßt sich so deuten, daß dadurch die Infanterie ermutigt werden soll, den Angriff vorzutragen. Da die Deutschen ihre Batteriestellungen häufig wechseln und sich überdies gegen Erkundung und Einsicht in ihre Stellungen vorzüglich zu decken verstehen, überschütten die französischen Batterien jeweilen alle Punkte, die sie als besetzt vermuten, mit ihrem ungezielten Streufeuer, dessen ohnehin geringe Wirkung durch die große Zahl von Blindgängern noch vermindert wird. Es ist begreiflich, daß diese Art von Artillerievorbereitung den Infanterieangriff nicht anzufeuern vermag. Die Leute fühlen nach einigen fehlgeschlagenen Vorstößen instinktiv voraus, daß der Erfolg aussichtslos ist. Es liegen denn auch verschiedene Anzeichen dafür vor, daß diese wiederholten ergebnislosen Angriffe eher entmutigend als anfeuernd auf die französischen Truppen einwirken. Dafür spricht die verhältnismäßig große, sich immer vermehrende Zahl von Leuten, die sich freiwillig gefangen geben. Es sind nicht Überläufer im eigentlichen Sinne des Wortes, die Leute bleiben beim Rückzug einfach liegen und geben sich gefangen. Beim Verhör, dem sie nach der Gefangennahme unterzogen werden, begründen diese Leute — es sind meist Reservisten — ihr Verhalten häufig mit Angaben, die darauf

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 126. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/130&oldid=- (Version vom 1.8.2018)