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Aussteigen! Es geht gegen sechs Uhr abends. Auf dem Bahnhofplatz, dem Platze vor dem Postamt und in den angrenzenden Straßen steht viel Volk, das sich lebhaft unterhält. Bald erhalte ich die Erklärung für die auffällige Bewegung: Bum – bum – bum dröhnt es in unregelmäßigen Zwischenräumen von Westen her. Kanonendonner! Aus einer Gruppe französischsprechender Bürger höre ich die Worte: Entendez, cela s’approche. Es ist aber nichts mit dem approchement. Bald nachher verstummt der Kanonendonner gänzlich. Es waren die letzten Grüße einer deutschen Batterie in einem Artillerieduell, das sich, wie ich später vernehme, während des ganzen Nachmittags in der Gegend von Niedermorschweiler, Heimsbrunn, Bernweiler, Galfingen, etwa zehn bis fünfzehn Kilometer westlich Mülhausen abgespielt hatte. Das militärische Stadtkommando von Mülhausen hatte etwa 300 Arbeitslose unter militärischer Bedeckung in jene Gegend abgeschickt, zur Ausführung von Erdbefestigungen. Die Franzosen störten diese Arbeiten durch einen plötzlichen, überfallartigen Vorstoß aus dem von ihnen immer noch besetzten Grenzgebiet. Die Erdarbeiten mußten, da die deutschen Streitkräfte den französischen an Zahl in keiner Weise gewachsen waren, schleunig eingestellt werden, worauf die Franzosen sich wieder zurückzogen. Tote oder Verwundete hat es unter den zu den Befestigungsarbeiten kommandierten Arbeitern, soviel ich erfahren konnte, nicht gegeben,

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 9. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/13&oldid=- (Version vom 1.8.2018)