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Außer den Rekruten und den früher zurückgestellten Kriegsfreiwilligen werden jetzt allmählich auch die im Frieden nicht ausgebildeten Leute der wehrpflichtigen älteren Jahresklassen eingezogen. Täglich kann man jetzt große Truppen solcher Mannschaften auf dem Bahnhofsplatz stehen oder einer Kaserne, einem Zeughaus zumarschieren sehen, ausgerüstet mit einer warmen gerollten Wolldecke und einem Rucksack, den man jetzt auch häufig an Stelle des Tornisters bei Landsturm-Abteilungen sieht. Aussehen und Körperbau der eingezogenen Leute lassen den sicheren Schluß zu, daß Deutschland noch über starke und körperlich tüchtige, den Strapazen des Felddienstes gewachsene Reserven verfügt und auf minderwertige, den Anforderungen des Heeresdienstes nicht gewachsene Leute nicht zurückzugreifen braucht.

An Offiziers- und Unteroffizierskaders zur Ausbildung der Neueingezogenen scheint, wenn auch kein Überfluß, doch auch kein Mangel zu sein. Der Geist der Garnisontruppen sowohl wie der neu an die Front gehenden oder zurückkehrenden Truppenabteilungen ist gehoben und zuversichtlich, ernst-entschlossen und doch mit dem gesunden Soldatenhumor gepaart, der zu allen Zeiten das Zeugnis und der Ausfluß echt kriegerischer Moral gewesen ist. Ein frischer, froher Sinn äußert sich auf dem Marsche wie in der Ruhe. Es ist jedesmal ein Anblick, der das Herz bewegt, eine Kompanie oder ein Ersatzbataillon ins Feld abmarschieren zu sehen. Unter Trommelschlag

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 104. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/108&oldid=- (Version vom 1.8.2018)