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Hingabe von Leib und Leben besteht darin, daß sie sich nicht als bloßes Strohfeuer geäußert und nachher verflüchtigt hat, sondern daß der Andrang zu den Fahnen auch heute noch anhält, trotz der Veröffentlichung der entsetzlich langen Verlustlisten, deren Namen Tag für Tag die Spalten der Zeitungen füllen, trotz den Anstrengungen, Leiden und Entbehrungen, die der Wehrmänner im Felde warten, trotz den Gefahren, die es fast zu einem Glücksfall machen, wenn einer heil und unversehrt heimkehrt. Die vaterländische Begeisterung, die im Taumel der Mobilmachung und der ersten erfolgreichen Kriegswochen so hohe Wellen schlug, ist nicht verraucht, sondern sie hat sich vielmehr vertieft und standgehalten bei der Vergrößerung der Gefahr und Vermehrung der Schwierigkeiten, die sich auftürmten und dem ersten Siegeslauf unerwartete Hemmnisse entgegenstemmten. Viele, die vorläufig zurückgestellt waren, sind nun, nachdem das erste Aufgebot der Kriegsfreiwilligen ausgebildet ist, einberufen worden, und freudig melden sie sich immer noch zu den Fahnen, trotzdem fast ein jeder einen guten Freund oder lieben Verwandten hat — und Tausende haben ihrer mehrere! — deren Namen in der Verlustliste unter den Gefallenen zu lesen war. Jetzt erst recht äußert sich die unerschütterliche Standhaftigkeit, männliche Entschlossenheit und in der Arbeit mehrerer Menschenalter anerzogene Kriegstüchtigkeit des deutschen Volkes.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 103. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/107&oldid=- (Version vom 1.8.2018)