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meines Landwehrmannes zugeteilt war, war kein einziger Reiter abgegeben worden. Die Radfahrer besorgen da nicht nur den Meldedienst, sondern auch den Aufklärungsdienst. Kommt es zum Infanteriegefecht, so rücken die Radfahrer ohne weiteres in die Schützenlinie und fechten als Infanteristen.

Die Sprache meines neuen Kameraden verrät den Badener, als den er sich auch zu erkennen gibt. Sein Vater, der noch lebt, hat den Krieg von 1870/71 mitgemacht. Von seinen bisherigen Feldzugserlebnissen spricht mein Landwehrmann in ungekünstelten Worten, wie von einem Friedensdienst, ohne Aufhebens zu machen. Bei Tagsdorf, so vertraut er mir an, ging’s ganz genau so zu wie bei einem Manöver, das wir vor einigen Jahren an Ort und Stelle gemacht haben. Freudig teilt er mir mit, daß sein Regiment schon sechs Eiserne Kreuze erhalten hat, davon sind vier auf seine Kompanie gefallen. „Wenn wir Deutschen nur fest zusammenhalten, dann wird’s schon gut gehen. Man sagt zwar, viele Hunde sind des Hasen Tod, aber wir Deutschen sind halt keine Hasen.“ Mit diesen Worten reicht er mir zum Abschied die breite, rauhe, schwielige Hand, die den Arbeiter kennzeichnet.

Beinahe hätte ich über dem Gespräch den Zug versäumt. Am Bahnhof steht eine Abteilung Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten, die einen Trupp junger, frisch eingezogener Burschen in einen Richtung Hüningen bereitstehenden Zug

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/10&oldid=- (Version vom 1.8.2018)