Seite:KobyljanskaKleinrussischeNovellen.pdf/9

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
KobyljanskaKleinrussischeNovellen b009.jpg


Ein Jahrhundert kleinrussischer Litteratur.

Das kleinrussische Volk, welches die Hauptmasse der Bevölkerung in der russischen Ukraine, dem östlichen Teile Galiziens, der Bukowina und den angrenzenden Gebieten Ungarns bildet, ist eines der Stiefkinder der Geschichte. Früh schon wurde es der staatlichen Selbständigkeit beraubt, es unterlag den beiden mächtigen stammesverwandten Nachbarn, den Polen und Russen. Politisch zerrissen und unterdrückt, brütete das Volk dahin in dumpfer Ergebenheit und seiner selbst unbewußt, während die höheren Schichten sich bald bemühten, ihren Herren, den Polen und Russen, sich zu assimilieren. So schien es Jahrhunderte lang, als sei jede litterarische Bewegung, abgesehen von der reichen alten Volkspoesie, welche im Munde des Volkes fortlebt, bei den Kleinrussen erstorben; ja, die Sprache selbst, die ja nur

Empfohlene Zitierweise:
Olga Kobylanska: Kleinrussische Novellen. J. C. C. Bruns’ Verlag, Minden i. Westf. [1901], Seite I. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:KobyljanskaKleinrussischeNovellen.pdf/9&oldid=- (Version vom 13.9.2022)