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heran; links schweben die Engel herab. Ganz links vorn sitzt Joseph, ganz rechts naht ein jugendlicher Hirt, welcher ein gebundenes Lamm über dem linken Arm trägt.

Nussbaumholz; h. 0,86; br. 1,18. − 1744 durch den Legations-Secretair Talon in Madrid als Original Raphaels. – Es existiren zwei Stiche vom Ende des XVII. Jahrhunderts mit der Inschrift RAPHAEL VRBINAS PINXIT nach dieser Composition: der eine von Corn. Bloemart ( Nagler I, S. 536), der andere von Pietro del Po (Bartsch XX. p. 247 N. 4). Diese Stiche beweisen, dass das Bild damals für ein Werk Raphael’s galt; doch hat schon Mariette (Abèdario Ed. Paris 1851 ff. I, p. 136) bemerkt, dass es die Hand Raphael’s keineswegs zeige. Dass die Composition jedenfalls nichts mit Raphael’s verschollener „Natività“ für die Grafen Canossa zu thun hat, wie Ruland (The works of Raphael Santi da Urbino, London 1876, p. 25) annimmt, hatte schon Passavant (Rafael von Urbino II, 1839, S. 186) nachgewiesen. - Ein zweites Exemplar befand sich 1883 im Besitze des Herrn Bossi, chilenischen Consuls zu Wien.

Angeblich Raphael’s Schule.

Ein Gastmahl. 101. (88.) 1 a.

Angeblich: Odysseus entdeckt Achilles unter den Töchtern des Lykomedes. In einer Halle sitzen fünf Frauen an einer Tafel. Eine sechste steht, von hinten gesehen, vor derselben. Alle weisen auf einen Ball (oder Apfel), der auf den Tisch gerollt ist. Links zielt Amor mit verbundenen Augen und schaut ein auf seinen Stab gelehnter Mann prüfend drein.

Gebogene Lindenholzplatte; h. 0,24; br. 0,57. – 1846 aus Rumohrs Nachlass. – Bisher mit Unrecht als Schule Raphael’s. Dagegen auch Lerm. S. 249.

Sebastiano del Piombo.

Seb. Luciani, gen. Seb. Veneziano oder del Piombo. Geb. zu Venedig um 1485, gest. zu Rom den 21. Juni 1547. Anfangs, als Schüler Giovanni Bellini’s und Giorgione’s in Venedig, schloss er sich an diese Meister an. Später in Rom im engsten Anschluss an Michelangelo weiterentwickelt. Thätig anfangs in Venedig, zuletzt meist in Rom.

Christus, sein Kreuz tragend. 102. (247.) D 1.

Kniestück. Nach links gewandt, in weissem Gewande, die Dornenkrone auf dem Haupte bricht Christus unter der Last des grossen Kreuzes zusammen, welches er, indem er es vorn mit beiden Händen fasst, auf der linken Schulter trägt, Links ein Krieger im Helm und ein barhäuptiger Mann (Simon von Kyrene), welcher dem Heiland hilft. Rechts im Hintergrunde der Calvarienberg.

Ital. Pappelholz; h. 1,23; br. 0,96½. − 1874 für 21,000 Mark im Kunsthandel aus London. Vorher im Besitze des Prinzen Napoleon, noch früher in demjenigen

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Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 62. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/94&oldid=- (Version vom 1.8.2018)