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zwickelartigen Ecken die vier Evangelisten: oben links Johannes, rechts Matthäus; unten links Lucas, rechts Marcus.

Nussbaumholz; h. 0,41; br. 0.28½. – 1749 durch Siegmund Striebel aus Rom.

Carlo Portelli.

Geb. zu Loro im Valdarno, begraben zu Florenz den 15. October 1574. Schüler Ridolfo Ghirlandajo’s. Mitglied der florentinischen Akademie. Hauptsächlich thätig in Florenz.

Moses am Sinai. 84. (62.) 3 b.

Der Berg Sinai ragt in der Mitte des Mittelgrundes. Hier empfängt Moses die Gesetzestafeln. Vorn, am Fusse des Berges das Volk Israel in stark bewegten Gruppen. Links das goldene Kalb. Rechts wirft Moses erzürnt die Gesetzestafeln zur Erde. Ganz vorn und rechts entsetzte Gruppen von Frauen und Kindern.

Ital. Pappelholz; h. 1,39; br. 0,99½. – Invent. 1754, I 197, als „autore incerto“. Später dem Angelo Bronzino zugeschrieben, mit dessen Formengebung sich die seinige jedoch nicht deckt. Dass in Wirklichkeit Carlo Portelli, Bronzino’s Zeitgenosse, der Urheber sei, bemerkte dem Verfasser zuerst Herr Dr. Gust. Frizzoni in Florenz und bestätigte ihm der Vergleich mit dem durch die Namensinschrift und durch Vasari (VI p. 548) beglaubigten „Martyrium des heil. Romulus“. dieses Meisters in S. Maria Maddalena dei Pazzi in Florenz. – Phot. Braun IX, 6.

Francesco Salviati.

Fr. de’ Rossi, gen. Fr. Salviati, geb. zu Florenz 1510, gest. daselbst den 11. Nov. 1563, Freund und Nachahmer Vasari’s, erhielt seinen Beinamen von seinem Gönner, dem Cardinal Salviati. Thätig hauptsächlich in Florenz und Rom, doch auch in Paris und Venedig.

Maria mit dem Kinde und Heiligen. 85. (67.) 3 b.

Schwarzer Grund. Maria sitzt auf dem Erdboden, mit den Armen, in denen sie das sie umhalsende Kind hält, nach links, mit dem Kopfe nach rechts gewendet, wo eine jugendliche weibliche Heilige mit Buch und Palmenzweig sitzt. Hinter dieser ein zweiter jugendlicher Kopf. Links zwei bärtige Heilige.

Leinwand; h. 1,33; br. 0,94. – 1743 durch Algarotti aus Venedig. – Bisher als unbekannt und als unbekannter Herkunft. – Da das Bild indessen den Stil Fr. Salviati’s trägt, da ferner Algarotti vom 19. Juli 1743 schreibt, er habe eine Madonna mit Heiligen und Engeln dieses Meisters für die Dresdener Galerie erworben, und da er hinzufügt, das Bild habe durch die Zeit gelitten (was bei dem unseren der Fall ist), so scheint es, dass Algarotti die beiden Jugendlichen Gestalten rechts für Engel angesehen habe und dass unser Bild das durch ihn erworbene sei.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 56. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/88&oldid=- (Version vom 1.8.2018)