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Dritter Abschnitt.




Die gewebten Tapeten.




Die gewebten Tapeten sind im Kuppelsaal der Königlichen Gemäldegalerie aufgehängt. Die altniederländische Folge nimmt die untere, die Raphaelische Folge die obere Reihe ein.


I. Altniederländische gewebte Tapeten.

Es sind sechs reich mit Goldfäden durchwirkte Wandbehänge aus dem Anfange des XVI. Jahrhunderts. Die erste Gruppe derselben bilden die zusammengehörigen vier grösseren a, b, c, d, die zweite Gruppe die ebenfalls zusammengehörigen zwei kleineren e, f. – Die Künstler, welche die Vorlagen zu diesen Geweben geschaffen, stehen nicht fest. Bei den vier grösseren hat man an Quinten Massys (vor 1460–1530) gedacht; vielleicht nicht mit Unrecht; jedenfalls gehören sie der Zeit- und Schulrichtung dieses Meisters an; die beiden kleineren zeigen eine schwächere Hand; wegen der Eulen im Rande der einen derselben diese oder gar einige der grösseren dem Hendrik Bles, dessen Merkzeichen die Eule war (Civetta; oben S. 267), zuzuschreiben, wie Alfr. Michiels wollte, liegt stilistisch nicht der mindeste Grund vor. – Seit wann diese altniederländischen Wandbehänge sich im Besitze des sächsischen Königshauses, dessen Eigentum sie sind, befinden, ist nicht ermittelt. Sie wurden zuerst 1790 vom Hausmarschall Freiherrn von Racknitz an’s Licht gezogen, gerieten dann aber in Vergessenheit. Erst

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Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 818. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/850&oldid=- (Version vom 1.8.2018)