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II. Die Italiener des XVI. Jahrhunderts.

A. Die florentinische Schule.

Nach Michelangelo Buonarroti.

Geb. den 6. März 1475 (1474 nach altflorentinischer Zeitrechnung) in dem toscanischen Städtchen Caprese, gest. am 19. Februar 1563 in Rom. Schüler Domenico Ghirlandajo’s, entwickelte sich aber selbständig zu dem die Welt mit seiner Subjectivität beherrschenden Grossmeister des XVI. Jahrhunderts. Thätig vornehmlich in Florenz und in Rom.

Leda mit dem Schwane. 71. (49.) B 1.

Halbaufgerichtet, nach links blickend, liegt die nackte Königstochter unter grünem Schilfe im blumigen Rasen. Ihren Rücken stützt eine mit weissem Linnen behängte Lehne. Als Unterlage dient ein rotes Tuch. Der Hals des Schwanes ruht zwischen ihren Brüsten. Sein Schnabel berührt küssend ihre Lippen. Links im Hintergrunde ein See.

Eichenholz; h. 1,22; br. 1,82½. – 1723 aus der Sammlung Wrzowecz in Prag. – Dieses wichtige Bild geht unzweifelhaft auf Michelangelo’s berühmtes Gemälde der Leda zurück, dessen Original sich vielleicht im Magazin der Londoner National-Gallery befindet. .Man vergl. des Verfassers Aufsatz im Repertor. VIII, 1885 S. 405–410. Unser Bild, dessen Hintergrund selbständig von dem Copisten hinzugefügt ist, zeigt die Hand eines Niederländers der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts, welcher, der Modellirung nach zu schliessen, wie schon H. bemerkte, P. P. Rubens selbst sein könnte. Dieser könnte das Original, welches sich um 1620 in Fontainebleau befand, allerdings damals dort copirt haben. – Phot. Braun IX, 5.

Die Geisselung Christi. 72. (51.) 32 c.

In der Mitte eines Renaissance-Palasthofes ist der Heiland an die Säule gebunden. Der Geissler links neben ihm ist von vorn, der halb nackte rechts von hinten gesehen. Hinter diesen noch zwei andere Schergen.

Pappelholz; h. 0,58½; br. 0,42½. – Inv. 1722 B, 154. Aus der Kunstkammer in die Prinzliche Kapelle, später zur Galerie. Das Original ist von der Hand Sebastiano del Piombo’s in der Kirche San Pietro in Montorio zu Rom in Oel auf die Mauer gemalt. Dass Michelangelo dem Meister die Zeichnungen zu der ganzen dortigen Bilderfolge geliefert, berichtet Vasari (Ed. Mil. V. p. 599).

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 51. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/83&oldid=- (Version vom 30.3.2017)