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durchbohrt. Im Mittelgrunde zwischen zwei Palästen drei Rundbogendurchgänge, durch welche man in fernere Strassen und Paläste am Wasser blickt, während ihr Dach eine Terrasse bildet, von der Zuschauer herabsehen. Unten links ein schlafender Mann, stark verkürzt von vorn gesehen.

Früher auf Holz, doch auf Leinwand übertragen; h. 1,67; br. 0,87. – 1873 von J. Ch. Endris in Wien für 18,000 Mark erworben. – Ein Hauptwerk des Meisters, wahrscheinlich zwischen 1480 und 1490 entstanden. Vergl. Lerm. S. 167–168. – Phot. Braun I, 2. – Phot. Ges.

Schule Giovanni Bellini’s.

Giovanni Bellini, geb. zu Padua oder Venedig um 1428, gest. zu Venedig den 29. Nov. 1516, Schüler seines Vaters Jacopo Bellini, ging von der härteren Weise der paduanischen Schule, insbesondere seines Schwagers Andrea Mantegna aus, um sich bald, unter dem Einflüsse der Oelmalerei Antonello da Messina’s, zu dem bahnbrechenden Meister des venezianischen Colorismus zu entwickeln. Thätig zumeist in Venedig.

Der Doge Leonardo Loredano. 53. (229.) 2 b.

Brustbild ohne Hände im Profil nach rechts vor dunkler Mauer, neben welcher man links durch’s Fenster in die Lagune und auf die Insel S. Giorgio maggiore blickt. Der Doge trägt den Mantel und die Mütze von schwerem rot und goldenem Stoffe; unter der Mütze eine weisse Unterhaube, von der ein Band herabhängt.

Ital. Pappelholz; h. 0,70½; br. 0,55. – Schon im Inv. 1754 (I 318) als echtes Bild Bellini’s. So auch bei H. – Doch ist der Vortrag zu trocken und zäh für die Hand dieses Meisters. Das Original befindet sich in der Galerie zu Bergamo und wird von Cr. u. Cav. V, S. 263, schwerlich mit Recht, dem Vincenzo Catena zugeschrieben. Doch ist das Bild der Galerie in Bergamo in der That frischer und farbenkräftiger, als das unsere. Lerm. S. 163 nimmt an, das Original sei Giov. Bellini’s berühmtes Bild in der National-Gallery zu London. Dieses stellt zwar dieselbe Persönlichkeit dar, ist aber im übrigen durchaus verschieden. – Phot. Braun VII, 5. – Phot. Ges.

Maria mit dem Kinde und zwei Heiligen. 54. (230.) R 5.

Halbfiguren. Im Vordergrunde eine Balustrade. Auf dieser lässt die sitzende, halb nach links gewandte Madonna ihr Kind stehen. Links der Apostel Petrus, rechts die heil. Helena mit ihrem Kreuze.

Ital. Pappelholz; h. 0,84½; br. 1,07. – 1874 aus der Sammlung Barker in London; vorher in der Galerie Manfrin zu Venedig. – Noch bei H. als Original Giov. Bellini’s. Doch ist es dafür offenbar zu hart und leer. Nach Cr. u. Cav. V.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 44. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/76&oldid=- (Version vom 1.8.2018)